
Gianluca March hat mit La-Chaux-de-Fonds bereits den ersten Titel eingeheimst. © HC La Chaux-de-Fonds
Traumdebüt vor 6000 Fans: Gianluca Marchs „Riesenchance“
Damian Clara, Alex Trivellato oder Diego Kostner – Südtirol ist in vielen europäischen Top-Ligen mit Profis vertreten. Haben diese Akteure bereits in jungen Jahren den Schritt ins Ausland gewagt, so genoss Gianluca March seine Ausbildung hierzulande. Der Verteidiger klettert die Karriereleiter aber stetig nach oben und hat zuletzt bei einem Schweizer Top-Verein unterschrieben. Uns erzählte er seine Geschichte.
10. Februar 2025
Von:
Leo Holzknecht
Am 31. Jänner ging für Gianluca March ein Kapitel zu Ende. Mit dem EHC Winterthur verlor der 27-Jährige auswärts das letzte Spiel des Grunddurchgangs gegen die GCK Lions mit 2:5 und verpasste dadurch die Playoffs in der Swiss League. „Die Enttäuschung war riesengroß“, sagt der Leiferer. „Ich habe gewusst, dass es wahrscheinlich meine letzte Saison in Winterthur ist. Wir waren ein eingeschworener Haufen, haben super zusammengearbeitet, Küsnacht war aber besser und hat den Sieg absolut verdient.“ Während für viele seiner Mannschaftskollegen die Saison zu Ende ging, wurde jene des Verteidigers neu lanciert. Denn schon wenige Stunden später wurde er vom HC La-Chaux-de-Fonds, dem amtierenden Meister, unter Vertrag genommen.
Als Sportdirektor Loïc Burkhalter bei March anklopfte, zögerte er keine Sekunde. „Ich habe bis zur letzten Sekunde gehofft, mit Winterthur die Playoffs zu erreichen. Gleichzeitig ist es jedoch eine Riesenchance, bei einem Spitzenklub wie La-Chaux-de-Fonds zu spielen.“ Beim Verein aus der Ostschweiz unterschrieb March einen Vertrag bis zum Saisonende. „Ich habe am 31. Jänner um 19.45 Uhr das letzte Spiel in Winterthur bestritten. Am nächsten Morgen nahm ich um 10 Uhr schon am ersten Team-Meeting im zweieinhalb Stunden entfernten La-Chaux-de-Fonds teil. Es war etwas stressig, aber ich wurde von den Mitspielern, den Trainern und vom restlich Staff sehr gut aufgenommen“, erklärt March, der seinem Agent Fredy Püls, der schon den Wechsel zu Winterthur eingefädelt hatte, einen großen Dank ausspricht.
Ein Titel zum Debüt
March hatte im Kanton Neuenburg nicht viel Zeit, um sich einzuleben. „Bei der Vertragsunterschrift konnte der Verein nicht garantieren, dass ich im Pokalfinale zwei Tage später spielen werde. Als ich in die Kabine kam, habe ich aber gesehen, dass ich in der dritten Linie aufgestellt war. Ohne meine Mitspieler und das System richtig zu kennen, war es eine ziemliche Herausforderung, zumal 6000 Fans in der Halle waren. Aber letztendlich hat alles gut geklappt“, freut sich March. La-Chaux-de-Fonds gewann – ausgerechnet gegen Küsnacht – mit 4:2. In der Nationalmannschaftspause hat der Südtiroler nun die Möglichkeit, sich noch besser ins Team einzufügen.Gianluca March sorgt in der Schweiz für Furore. © Social Media
Dass March eine solche Karriere hinlegen würde, trauten ihm vor nicht allzu langer Zeit nur wenige zu. In den Jugendteams von Leifers, Auer und Neumarkt ausgebildet, wechselte der Linksschütze 2017 zum HC Pustertal. Insgesamt lief er fünf Saisons im Dress der Wölfe auf – eine davon in der ICE Hockey League: „Ich habe von dieser Zeit sehr viel profitiert“, sagt March rückblickend. „Man trainiert das ganze Jahr mit rund 15 Ausländern. Es ist wichtig, seine Rolle in der Mannschaft zu finden und diese zu übernehmen. Weil ich viel Eiszeit bekommen habe, war es ein sehr wichtiges Lehrjahr“, findet March.
Als er 2023 in die Schweiz wechselte, musste sich der Unterlandler, der im Besitz der eidgenössischen Staatsbürgerschaft ist, gleich doppelt umstellen. Einerseits im Alltag, andererseits auf dem Eis. „Das Leben hier ist ganz anders. Die Schweizer sind etwas verschieden, unternehmen vielleicht nicht so viel wie wir. Und dennoch habe ich mich in Winterthur sofort wohlgefühlt. Auch hockeymäßig war die Umstellung sehr groß. Während in der ICEHL viel Wert auf das System, die Taktik gelegt wird, dreht sich hier alles um das Tempo. Die vielen jungen Spielern in der Swiss League fliegen regelrecht übers Eis“, beschreibt March.
Von der Nationalmannschaft vergessen
Als Spieler habe er sich daran erst gewöhnen müssen. „Meine Identität hat sich nicht verändert. Ich bin nach wie vor ein Stay-at-home-Verteidiger, der hart arbeitet und im Zweikampf seine Stärken hat. Dennoch musste ich körperlich eine Schippe drauflegen, weil die Spieler so schnell und technisch versiert sind. Dank meiner größeren Erfahrung würde ich sagen, dass ich jetzt ein reiferer Spieler als vor zwei Jahren bin“, erklärt March.Gianluca March spricht über sein Abenteuer in der Schweiz. © Social Media
Trotz seiner starken Leistungen wurde er seit seinem Wechsel in die Schweiz nicht mehr für die Nationalmannschaft berücksichtigt. „Im Vorjahr hatte ich mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Aufgrund einer Gehirnerschütterung, einer Schulteroperation sowie einer Bauchmuskel- und Leistenzerrung habe ich insgesamt nur 16 Spiele absolviert. Im Sommer stand ich dann mit dem neuen Trainerteam in Kontakt. Ich habe mich sehr gefreut und war bereit, mir einen Platz zu erarbeiten, zumal es hieß, dass sie viele Spieler scouten würden. Seither habe ich aber nichts mehr gehört“, bedauert der ehrgeizige March.
Sollte er die aktuellen Leistungen aufrechterhalten, dürfte es aber nur noch eine Frage der Zeit sein, ehe Nationaltrainer Jukka Jalonen zum Hörer greift. Vorerst will March aber die eingangs erwähnte Riesenchance beim Schopf packen, mit La-Chaux-de-Fonds den Titel verteidigen und – wer weiß – in die National League aufsteigen. Das Team um den letztjährigen Vorarlberg-Crack Steve Owre hat heuer nämlich die Lizenz fürs Schweizer Oberhaus erhalten. Die Playoffs beginnen am Dienstag gegen den EHC Olten.
Profil bearbeiten
Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen.
Kommentare (0)