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Sofia Goggia war nach dem Rennen bedient. © APA / BARBARA GINDL

Goggia, Brignone und eine Liebe, die nie entflammt ist

Nach der WM-Abfahrt in Saalbach-Hinterglemm gab es einiges an Gesprächsstoff. Darunter die enttäuschenden Leistungen der beiden italienischen Superstars Federica Brignone und Sofia Goggia.

Aus Saalbach-Hinterglemm

Von:
Thomas Debelyak

Sofia Goggia und Federica Brignone. Wenn man sich unter Journalistenkollegen in Saalbach-Hinterglemm in den vergangenen Tagen umgehört hat, fielen immer diese beiden Namen, wenn es darum ging, wer auf den Medaillenrängen bei der großen WM-Abfahrt landen wird. Manche Schreiberkollegen sahen beide auf dem Podest, manche nur Sofia, manche nur die „Fede“. An der Grundessenz ließ sich aber nicht rütteln: Eine Italienerin wird am Ende des Tages ein Edelmetall um den Hals hängen haben.


Doch gekommen ist alles anders. Mit mehr als einer Sekunde Rückstand auf Sensationssiegerin Breezy Johnson wurde Brignone Zehnte, Goggia landete mit fast zwei Sekunden Rückstand gar nur auf dem 16. Rang. Eine herbe Enttäuschung für das erfolgsverwöhnte Duo, das in diesem Winter bisher so herausragend unterwegs war. Drei der vier Weltcupabfahrten gingen an die beiden Superstars (zwei an Brignone, eine an Goggia). Es gab noch keine Abfahrt, in der weder Goggia noch Brignone am Stockerl stand. Ausgerechnet im wichtigsten Rennen der Saison war es jedoch soweit.

Auch Federica Brignone war ratlos. © APA/afp / KERSTIN JOENSSON


Der Ehrlichkeit halber muss man sagen: Ganz überraschend ist dieses Szenario nicht eingetreten. In dieser Woche hatte sich schon abgezeichnet, dass Goggia und Brignone mit der flachen, technisch wenig anspruchsvollen Abfahrtspiste nicht warm werden. „Es fehlen hier einfach schwierige Passagen, in denen man den Unterschied machen kann“, hatte das Duo immer wieder betont.
„Schon nach dem ersten Tor habe ich gemerkt, dass kein gutes Feeling da ist.“ Sofia Goggia

Nach der Abfahrt brachte es Goggia auf den Punkt. „Schon nach dem ersten Tor habe ich gemerkt, dass kein gutes Feeling da ist. Man muss sich anpassen können, klar, aber es ist halt eine Piste, auf der du nicht den Unterschied machen kannst. Ich habe es trotzdem versucht“, so die Bergamaskin, die im Abschlusstraining am Freitag noch gestürzt war. „Das hat mich aber nicht beeinflusst. Ich bin heute einfach richtig schlecht gefahren“, so Goggia. Sie sagt auch: „Was mich wütend macht, ist nicht die Abfahrt von heute, sondern der Super-G vom Donnerstag. Da wäre eine Medaille dringewesen.“ Goggia fehlten da sechs Hundertstel auf Bronze.

War es eine WM-würdige Piste?

Federica Brignone wirkte nach dem enttäuschenden Rennen relativ gefasst. „Ich habe das gemacht, was ich konnte. Um heute eine Medaille zu gewinnen, hätte ich den besten Lauf meines Lebens bringen müssen“, so die Aostanerin. Vorwerfen kann Brignone sich und ihrem Team nichts. „Unsere Trainer haben seit Tagen wie verrückt alle Videos angeschaut und Linien studiert. Aber es will halt einfach nicht sein. Ob es eine WM-würdige Piste ist? Jede WM-Piste ist WM-würdig. Aber ich bevorzuge nun mal andere Arten von Strecken“, sagt Brignone diplomatisch.

Immerhin: Vor zwei Tagen gewann sie WM-Silber im Super-G und hat damit zumindest teilweise Frieden mit der Ulli-Maier-Piste geschlossen. Und im Riesentorlauf in der kommenden Woche zählt Brignone ebenfalls zu den großen Favoritinnen. In der Königsdisziplin, der Abfahrt, gingen die beiden Star-Azzurre aber leer aus.

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