
Die Naturbahnrodler könnten in eine spektakuläre Zukunft segeln. © Jana Zischg
Ist das die Revolution im Rodelsport?
„Alpin Rodel“ heißt das neue Zauberwort! Mit einer neuen Rodel sollen neue Pisten, neue Rennformate und neue Länder in den Weltcup kommen. Damit würde der Naturbahnrodelsport revolutioniert. In der Schweiz und in Schweden wurden bereits erste Tests durchgeführt. Das Resümee ist verblüffend.
02. April 2025
Von: pm/fop
Nicht weniger als 33 Athleten (11 Damen/22 Herren) aus 8 Nationen waren zu den ersten Testrennen in Grindelwald in der Schweiz und in Hammarstrand in Schweden im März eingeladen. Am Start waren Sportler aus dem Naturnbahnrodel-Weltcup, Weltklasse-Athleten aus dem Bereich Sportrodeln sowie ambitionierte Breitensportler aus dem jeweiligen Veranstaltungsland, unter anderem Weltmeisterin Evelin Lanthaler, Silvia Runggatscher (Italienmeisterin Sportrodeln), sowie Rodellegende Patrick Pigneter und Vize-Weltmeister Daniel Gruber.
Getestet wurden die neue „Alpin Rodel“ (Alpine Luge) und neue Rennformate, die Tests fanden auf einer normalen, vereisten Rodelbahn und auf einer herkömmlichen Skipiste mit Snowboardtoren statt. Obwohl zunächst die Skepsis überwog, waren die internationalen Testtage ein voller Erfolg, sagt Pigneter: „Wir Athleten kennen ja nur unsere Rodel, die sind wir gewohnt. Aber wir müssen offen sein für etwas Neues, das ist die Herausforderung.“
In Zukunft könnten auch Parallelrennen möglich sein. © Jana Zischg
Ziel ist es, das Naturbahnrodeln für mehr Nationen zugänglich zu machen. Daher fährt sich die „Alpine Luge“ weniger aggressiv, auch wenn der Unterschied zum bisherigen Sportgerät gering ist. „Der Einsatzbereich der neuen Rodel ist einfach größer, von einer Eisbahn bis hin zum Frühjahrsschnee auf einer Skipiste. Ich würde sagen, die alte Rodel ist wie ein Rennrad, die neue Rodel wie ein Gravel-Bike (Rennrad mit breiteren Reifen, Anm. d. Red.). Deswegen wird für Interessierte der Zugang zum Rodelsport einfacher, das ist unser Ziel“.
Plötzlich viele neue Möglichkeiten
Vereiste Rodelbahnen mit Holzbanden für Weltcuprennen gibt es eigentlich nur noch in Südtirol und in Österreich. Die Präparierung und Instandhaltung der Rennbahnen ist arbeitsintensiv, viele potentielle Veranstalter schreckt das ab. Daher sind neue Rennformate angedacht, unter anderem auf vereisten Rodelbahnen aber ohne Holzbanden, sowie Wettkämpfe auf normalen Skipisten. Das würde den Aufwand für Vereine und Veranstalter vor Ort verringern, außerdem gäbe es mehr Orte, die Rennen organisieren und durchführen möchten.Pigneter sagt dazu: „Wir waren in Grindelwald in einem Rodelpark am Fuße der Eiger-Nordwand, dieser Park lebt vom Touristenrodeln. Mit wenigen Handgriffen war die Rodelbahn für uns fertig. In Schweden wollten wir die 'Alpin Rodel' auf einer vereisten Skipiste testen, so wie sie im Skiweltcup üblich ist. Allerdings lag die Temperatur bei +10 Grad – jetzt wissen wir, dass das neue Material auch bei Matsch funktioniert“. Den Kurs auf der Skipiste geben Tore vor, wie sie im Skicross oder bei Snowboardrennen üblich sind. Auch Parallelrennen können so ohne großen Aufwand durchgeführt werden.
Fest steht aber auch, dass die „klassischen“ Rodelrennen auf den Eisbahnen erhalten bleiben. „Das war ein Test, es heißt nicht, dass es in Zukunft so sein wird. Ich glaube, die Entwicklungsarbeit macht allen Spaß, noch sind wir aber nicht am Ziel. Im Rodelsport steckt viel Potential. Wir wollen den Blick nach vorne richten, damit alle profitieren“. Auch mit der neuen Rodel und auf Skipisten werden die besten Sportler vorne sein, glaubt Rekordsieger Pigneter, der seine Karriere mit dem Weltcupfinale im März beendet hat. „So haben aber auch andere Nationen die Möglichkeit, sich besser auf die Rennen vorzubereiten, da kann es sein, dass die Ergebnisse durchgemischt werden“.
„Wir müssen offen sein für etwas Neues“ Patrick Pigneter
Ein Blick auf die Ergebnislisten untermauert diese Einschätzung: Allein bei den Testrennen auf der Bussalp gab es mit Lisa Walch (GER), Evelin Lanthaler (ITA) und Daniela Mittermair (ITA) drei verschiedene Siegerinnen. Bei den Herren haben sich unter anderem Stefan Federer (SUI), Christian Bauer (SUI) und Ziga Kralj (SLO) in die Siegerlisten eingetragen.
Wann die „Alpin Rodel“ die aktuelle Rennrodel ablösen wird, steht noch in den Sternen. „Der Entwicklungsprozess ist erst gestartet und noch lange nicht abgeschlossen“, sagt Pigneter, der auch in Zukunft weiter im Testteam arbeiten wird. Die Zukunftswerkstatt Naturbahn & Breitensport wird jedenfalls weiter intensiv an dieser Entwicklung arbeiten.
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