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Klaus Höllrigl blickt auf die bisherige Biathlon-WM. © Pierre Teyssot

Italiens Biathlon-Chef: „Die Medaillen sollen andere zählen“

Bei der Biathlon-WM in Lenzerheide sind 6 von 12 Entscheidungen gefällt. Halbzeit sozusagen. SportNews hat deshalb Italiens Biathlon-Direktor Klaus Höllrigl zum Gespräch gebeten und ihn nach seiner Zwischenbilanz gefragt.

Aus Lenzerheide

Von:
Alexander Foppa

Italiens Biathlon-Nationalteam muss bereits den ganzen Winter über auf die letztjährige Gesamtweltcup-Siegerin Lisa Vittozzi verzichten, jetzt fällt dieser Tage bei der WM auch noch Dorothea Wierer aus. Zudem hat Tommaso Giacomel aktuell kein Glück am Schießstand. Wie kann das die nächsten Tage gutgehen? Vor dem heutigen Männer-Einzel haben wir bei Klaus Höllrigl nachgefragt. Der 45-Jährige aus Latsch ist als Biathlon-Direktor der Hauptverantwortliche für das Abschneiden der Azzurri.



Herr Höllrigl, wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Klaus Höllrigl: „Wir sind zufrieden, sagen wir es so. Wir haben insgesamt vier Top-Ten-Plätze eingefahren, waren drei Mal bei der Flower Ceremony, das lässt sich sehen. Natürlich hätten wir gerne schon eine Medaille zu Buche stehen, zumal mit etwas Glück im ein oder anderen Rennen durchaus eine Podiumsplatzierung drin gewesen wäre. Meine Aufgabe ist es aber, die Athleten nicht an Platzierungen zu messen, sondern an deren Leistungen. Und diese waren gut.“


Aber seien wir ehrlich: Bei einer WM zählen in erster Linie die Medaillen.

„Natürlich, da haben Sie Recht. In meiner Funktion kann ich aber nicht hierhin reisen und sagen: So, jetzt lasst uns mal Medaillen zählen. Ich muss die Leistungen objektiv bewerten und mit dem Trainerstab analysieren – mit dem Ziel, das Maximale rauszuholen. Das Medaillenzählen dürfen dann gerne andere übernehmen.“

„Ich würde sagen: eine glatte 7“ Höllrigls bisherige WM-Note

Welche Note würden Sie ihrem Team denn für die erste WM-Hälfte geben?

„Ich würde sagen: eine glatte 7. Wir haben eine gute Leistungsdichte im Team, mehrere Athleten, die sich in Lauerstellung befinden. Jetzt hat auch Michela Carrara gezeigt, dass sie vorne mitlaufen kann. Mit dem ein oder anderen Schießfehler weniger gelingt uns vielleicht der Sprung unter die Top-3.“


Tommaso Giacomel war bereits sehr nah dran.


„Ja, aber auch die Mixed-Staffel. Mit etwas mehr Glück am Schießstand, wäre noch mehr drin gewesen. Aber das ist Biathlon, diese Spannung, diese Unvorhersehbarkeit zeichnet diesen Sport aus – und das ist gut so.“


Wie sehr schmerzt der Ausfall von Dorothea Wierer?

„Klar ist es ärgerlich, dass Doro beim Saison-Highlight nicht fit ist. Aber jammern bringt nichts. Ein Ausfall kann im Biathlon passieren. Das sind alles Hochleistungssportler, die ans absolute Limit gehen. Dass der Körper da mal nicht mitspielt, kommt vor. Doro wird jetzt versuchen, ins Training zurückzukehren und dann werden wir sehen, wann sie wieder einsatzbereit ist.“

Der Gesundheitszustand von Dorothea Wierer beschäftigt auch ihren Chef, Klaus Höllrigl. © Teyssot / Pierre TEYSSOT



Wer springt für Wierer ein, sollte sie nicht die Single-Mixed-Staffel am Donnerstag laufen können?

„Die Entscheidung ist noch völlig offen. Wir werden Doros Gesundheitszustand beobachten und die Leistungsdaten der einzelnen Athleten analysieren. Hannah Auchtentaller und Michela Carrara sind in etwa auf einem Level. Aber vergessen wir nicht: Bei einer Single-Mixed-Staffel ist auch der mentale Aspekt von enormer Bedeutung.“


Wenn Sie einen Wunsch für die restliche WM frei hätten, welcher wäre das?

„Leider kann ich mir nichts wünschen, deshalb ist meine Antwort hypothetisch. Ich hoffe jedenfalls, dass wir den eingeschlagenen Weg weitergehen, wir allesamt die Ruhe bewahren und dann am Ende vielleicht ja doch noch einem unserer Athleten am Podium zujubeln dürfen.“


Das weitere WM-Programm:

Mittwoch
15.05 Uhr: Einzel der Herren

Donnerstag
16.05 Uhr: Single-Mixed-Staffel

Samstag
12.05 Uhr: Frauen-Staffel
15.05 Uhr: Männer-Staffel

Sonntag
13.45 Uhr: Frauen-Massenstart
16.05 Uhr: Männer-Massenstart

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