
Philipp Nawrath & Co. stecken in der Krise. © ANSA / GIAN EHRENZELLER
Deutschlands Biathlon-Herren in der Krise
Während Deutschlands Biathlon-Damen bei der WM in der Lenzerheide – angeführt von Franziska Preuß – ordentlich abräumen, sieht es bei den Herren ganz anders aus.
17. Februar 2025
Von: dpa
Während Preuß drei Medaillen in drei Rennen gewann, stecken Riethmüller und Co. auch beim Saison-Höhepunkt vor allem wegen ihrer schlechten Schießleistungen in einer Krise. „Von vorne bis hinten beschissen“ fand Danilo Riethmüller sein Verfolgungsrennen. Gleich achtmal musste der 25-Jährige in die Strafrunde und lief bei seiner ersten WM nur als 50. von 60 ins Ziel. Philipp Nawraths sieben Fehlschüsse brachten ihm Rang 44 ein.
„Das ist indiskutabel, das wissen die Jungs selbst“, sagte Sportdirektor Felix Bitterling. Weil Nawrath gesundheitlich angeschlagen ist, bekommt er im Einzel nun eine Pause und wird durch David Zobel ersetzt, der extra aus der Heimat anreist. Zwar baue man sich nach solchen Rückschlägen gegenseitig wieder auf. „Aber am Ende sind es trotzdem meine eigenen Fehler und meine eigene Dummheit“, sagte Riethmüller: „Sie können gut zureden, aber die Vorwürfe macht man sich dann trotzdem.“
Justus Strelow wurde in der Verfolgung 31. © ANSA / GIAN EHRENZELLER
Die große Hoffnung auf eine Medaille gibt es vor allem für die Staffel. „Da müssen wir ein anderes Mindset am Schießstand haben, ansonsten wird es schwer“, sagte Bitterling aber auch: „Wir geben auf gar keinen Fall die zweite Woche auf, bevor sie gestartet ist.“ Am Mittwoch steht zunächst das Einzel über 20 Kilometer an, davor wird noch Aufbauarbeit nötig sein. Das Fazit bislang könne nur heißen, „doppelten Strich drunter ziehen und froh sein, dass es in der Mixedstaffel geklappt hat“. Im gemischten Quartett errangen auch Nawrath und Justus Strelow zum Auftakt gemeinsam mit Preuß und Selina Grotian eine Bronzemedaille.
„Wir haben vielleicht nicht den Superstar momentan, der alles abräumt, aber wir sind eine sehr homogene Mannschaft.“ Philipp Horn
Nun droht für die Männer allerdings ein noch schlechteres WM-Abschneiden als im Vorjahr. In Nove Mesto hatte nur der mittlerweile zurückgetreten Benedikt Doll Bronze im Einzel geholt, die Staffel war als Vierter leer ausgegangen. Das bislang letzte deutsche Gold gewann Arnd Peiffer 2019. „Wir haben vielleicht nicht den Superstar momentan, der in den Einzelrennen alles abräumt, aber wir sind eine sehr homogene Mannschaft“, sagte Horn, der auf die Staffel am Samstag setzt: „Wenn wir alle unsere Leistung rüberbringen, haben wir die Chance, da vorn reinzulaufen.“
Das Problem sitzt zwischen den Ohren
Das wird aber nur möglich sein, wenn endlich besser geschossen wird. „Die Trainingsleistungen sind in der Regel gut und da wird getroffen“, hatte Männer-Trainer Jens Filbrich schon vor der WM gesagt: „Aber wenn das Rennen kommt, dann ist das Problem zwischen den Ohren.“ In den entscheidenden Situationen denken Nawrath und Co. seit Monaten zu viel nach, anstatt das Trainierte anzuwenden. So wie Preuß, die es bei ihrem Verfolgungs-Gold schaffte, alle 20 Schüsse ins Ziel zu bringen und jede Ablenkung auszublenden.Die 30-Jährige hat schon am Dienstag (15.05 Uhr) eine echte Chance, ihr viertes Edelmetall in Lenzerheide zu gewinnen. Sie gehört wieder zu den Favoriten, nachdem sie den Trainern eher unvorteilhafte Frisuren verpasste und damit für beste Stimmung in der Mannschaft sorgte. „Wir haben nicht genug, wollen in der zweiten Woche definitiv angreifen und für möglichst viele Höhepunkte unsererseits sorgen“, sagte Bitterling.
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