
Campbell Wright fällt bei der WM auf – optisch und sportlich. © ANSA / GIAN EHRENZELLER
Der WM-Held: Er erobert Fan-Herzen und liebt eine Südtirolerin
Die Weltmeistertitel haben bislang allesamt die Biathleten aus Frankreich, Norwegen und Deutschland erobert. Ein Exot erobert derweil in Lenzerheide die Herzen der Fans: US-Boy Campbell Wright. Hinter seinen beiden sensationellen Medaillengewinnen steckt ganz viel Südtirol, wie er selbst verrät.
21. Februar 2025
Aus Lenzerheide

Von:
Alexander Foppa
„Ciao“, sagt Campbell Wright ganz lässig, als er im WM-Areal leichten Schrittes zum SportNews-Gespräch spaziert. Er spricht ein paar Fetzen Italienisch, das Interview führen wir aber in Englisch. Warum Italienisch? Die Antwort gibt der junge Mann mit der markanten Vokuhila-Frisur selbst: „Ich bin zwar in Neuseeland geboren. Doch seit meiner Jugend verbringe ich die Winter wegen der besseren Trainingsmöglichkeiten in Italien. Meine Freundin ist Südtirolerin, so wie mein Trainer, auch einige meiner Betreuer sprechen Italienisch.“
In der Tat, Wright ist seit einiger Zeit mit der Ridnauner Biathletin Birgit Schölzhorn liiert, gecoacht wird er vom Antholzer Trainer-Guru Armin Auchentaller. Beide beschreiben Wright als lockeren Typ, der zugleich viel Intelligenz mitbringt. „Alle meinen, er ist ein richtiger Chiller. Doch hinter dieser Fassade steckt ein ganz besonderer, ein schlauer Mensch“, sagt Schölzhorn. „Campbell ist ein lustiger Vogel und zugleich ein absoluter Vollprofi“, schwärmt Auchentaller.
Der 53-jährige Pusterer ist jene Person, der Wright seinen Sprung in die Weltspitze des Biathlons zu verdanken hat. Er gipfelte bei dieser WM in sensationellen Silbermedaillen in Sprint und Verfolgung. Auchentaller hat Wright als 15-Jährigen bei einem Coppa-Italia-Rennen entdeckt.
„Er reist mit ein paar Shirts und ein paar Hosen um die Welt“ Birgit Schölzhorn
Damals startete dieser noch für Neuseeland. Wenige Jahre später hat Auchentaller – mittlerweile Cheftrainer von Team USA – seinen Nationenwechsel hin zu den Amerikanern eingefädelt. „Er wollte in den Weltcup und dort auch Staffelrennen bestreiten, diese Option konnte ich ihm bieten“, so Auchentaller, der allerdings alle Meriten von sich weist: „Wright ist ein Rohdiamant, den auch andere in unserem Team schleifen.“
Armin Auchtenaller (vorne rechts neben Campbell Wright) und das US-Team bejubeln zwei Silbermedaillen. © ANSA / GIAN EHRENZELLER
In der Schweiz hat der 22-Jährige das erste WM-Edelmetall überhaupt für die USA eingefahren. Er ist zwar in Ozeanien geboren, seine Eltern stammen aber beide aus Nordamerika. „Italien ist meine dritte Heimat“, lacht Wright im SportNews-Gespräch. Sein Winterquartier hat er in Livigno, er trainiert aber auch viel in Südtirol. „Weihnachten hat er bei mir zuhause verbracht, ansonsten lebt er aber aus dem Koffer. Er reist mit ein paar Shirts und Hosen um die Welt. Ich könnte das nicht“, schmunzelt seine Freundin aus dem Ridnauntal.
In Antholz hat's gefunkt
Schölzhorn und Wright haben sich vor zwei Jahren beim Training in Antholz kennengelernt. Sie verabredeten sich auf einen Kaffee, dann wurden die Treffen regelmäßiger. „Wir sind sehr glücklich zusammen, auch wenn wir uns nicht viel sehen“, gibt uns Schölzhorn am Telefon Auskunft. Während er im Weltcup läuft, tritt sie im zweitklassigen IBU Cup an. „Eigentlich wollte ich ihn in Lenzerheide besuchen, aber dann kam die Einberufung für die Junioren-WM.“ Am Montag geht für sie der Flieger nach Schweden. Dort will „Bibi“ an ihre jüngsten Erfolge anknüpfen, denn erst vor kurzem gewann sie bei der EM in Martell Staffel-Bronze.Birgit Schölzhorn gewann mit Italiens Staffel EM-Bronze. © Josef Plaickner
Die 21-Jährige möchte sich an ihrem Freund ein Beispiel nehmen, denn dieser sei „immer so entspannt vor einem Start – das Gegenteil von mir.“ Wrights Coolness beobachtete Schölzhorn zuletzt vor dem Fernseher. „Ich habe mit meiner Familie zuhause am Sofa mitgefiebert“, verrät sie und ergänzt: „Es ist wunderschön jemanden, den man so gerne hat, bei so großen Erfolgen zuzusehen.“ Da konnte es Schölzhorn auch verkraften, dass sie ihrem Freund jeweils erst spät abends gratulieren konnte. „Ja, das waren zwei stressige Tage. Ich habe aber am Telefon gemerkt, dass sie mächtig stolz auf mich ist“, strahlt Wright.
„Er ist ein super Junge! “ Armin Auchentaller
Stolz war nicht nur die Freundin, sondern auch der Trainer. Der war vorort der erste Gratulant. „Für den Biathlonsport in Amerika war das unheimlich wichtig. Jetzt nimmt man uns dort als Sportler war, wir haben unheimlich viele Nachrichten bekommen. Sogar der TV-Sender NBC hat angefragt“, so Auchentaller, der den Erfolg aber in erster Linie dem Athleten gönne, denn „er ist ein super Junge! Er bringt das gesamte Paket mit, das ein guter Biathlet benötigt. Vor allem aber hat er unheimlich viel Spaß bei der Arbeit.“ Genau dieser Spaß lässt ihn in der Loipe und am Schießstand so locker rüberkommen. Dadurch wird er zum Chiller, wie ihn seine „Bibi“ liebevoll beschreibt.
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