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Ein Bild aus früheren Tagen: Jannik Sinner (Mitte) mit seinem Team, dem damals auch noch Umberto Ferrara (2. von rechts) angehörte.

Doping-Affäre: Jetzt packt Sinners Ex-Betreuer aus

Jannik Sinners Doping-Affäre hat in der Tenniswelt riesige Wellen geschlagen. Jetzt bricht sein ehemaliger Athletiktrainer das Schweigen und schildert seine Sicht der Dinge.

Vor einem Jahr wurde die Welt des Jannik Sinner aus den Angeln gehoben. Damals flatterte beim Sextner die Nachricht ins Haus, dass er positiv auf das verbotene Steroid Clostebol getestet wurde. Für den 23-Jährigen begann die schwierigste Zeit seiner Karriere. Der beste Tennisspieler der Welt musste Monate der Ungewissheit, des Bangens, der Sorgen durchstehen, bis der Fall im Februar – also fast ein Jahr später – schließlich zu den Akten gelegt wurde. Und mit einer dreimonatigen Sperre für Sinner endete.


Was in dieser Angelegenheit schnell klar wurde: Sinner hat nicht aktiv gedopt, sondern wurde kontaminiert. Bei einer Massage seines Physiotherapeuten Giacomo Naldi (er hatte eine Wunde am Finger mit einem laut Dopingliste verbotenen Spray behandelt) gelangte das Mittel in Sinners Organismus. Der Sextner zog daraufhin die Reißleine und trennte sich sowohl von Naldi als auch von Fitnesstrainer Umberto Ferrara, der den ominösen Spray an Naldi weitergegeben hatte.

Ferrara bricht sein Schweigen

Nach Monaten des Schweigens hat sich nun Umberto Ferrara zu Wort gemeldet. In einem Interview mit der Gazzetta dello Sport packte der Fitnesstrainer, der mittlerweile für Matteo Berrettini arbeitet, aus. Warum er überhaupt diesen Spray mithatte, wurde er gefragt. „Ich verwende es seit Jahren, da es mir von einem Facharzt als unterstützendes Medikament für eine chronische Erkrankung verschrieben wurde. Mir war das Verbot vollkommen bewusst, und ich habe es stets mit äußerster Sorgfalt in meiner persönlichen Toilettentasche aufbewahrt“, so Ferrara.

Tennis-Superstar Jannik Sinner. © GETTY IMAGES NORTH AMERICA / MINAS PANAGIOTAKIS


Wie aber ist die Salbe dann in die Hände von Naldi gelangt? „Ich habe Naldi nichts übergeben, sondern ihm lediglich die Verwendung empfohlen, da er eine Schnittverletzung am Finger hatte, die nicht heilte und seine Arbeit erschwerte. Ich habe Naldi sehr deutlich über die Natur des Produkts informiert und klargestellt, dass es unter keinen Umständen mit Jannik in Kontakt kommen durfte. Daher habe ich die Nutzung ausschließlich in meinem privaten Badezimmer erlaubt. Naldi hat nicht bestritten, darüber informiert worden zu sein, aber er sagte, er könne sich nicht erinnern.“
„Mit dem Wissen von heute ist es einfach zu sagen, dass ich die gleichen Dinge nicht noch einmal tun würde.“ Umberto Ferrara

Als die Nachricht des positiven Dopingbefunds kam, blieb Ferrara die Spucke im Mund weg. „Als ich von Clostebol hörte, war die Verbindung sofort klar. In wenigen Stunden haben wir die Schritte rekonstruiert, die zur Kontamination von Jannik geführt haben, und ich habe die Beweise für den Kauf des Sprays in einer Apotheke in Bologna geliefert“, so Ferrara.

Ob er heute die Sachen anders machen würde? „Mit dem Wissen von heute ist es einfach zu sagen, dass ich die gleichen Dinge nicht noch einmal tun würde. Sicherlich würde ich nicht mehr auf das Verhalten anderer vertrauen. Es hat mir Schmerz bereitet, wie oberflächlich, manchmal sogar böswillig, viele Menschen meine Position in der Angelegenheit behandelt haben.“

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