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Imane Khelif erlebte sehr emotionale Tage. © APA/afp / MAURO PIMENTEL

Gold für umstrittene Boxerin Khelif – „Bin eine starke Frau“

Die algerische Boxerin Imane Khelif hat dem von einer aufgeheizten Geschlechter-Debatte ausgelösten Druck auch im Olympia-Finale standgehalten und Gold gewonnen. Nach ihrem Sieg meldete sie sich mit einer emotionalen Botschaft zu Wort.

Die 25-Jährige setzte sich am Freitagabend im Weltergewicht (bis 66 kg) gegen die chinesische Weltmeisterin Yang Liu einstimmig nach Punkten durch und wurde Olympiasiegerin.


„Ich will allen sagen, die gegen mich waren und eine Kampagne gegen mich gestartet haben: Das ist meine Antwort, ich bin eine starke Frau“, sagte sie nach ihrem Finalsieg. „Ich habe denen eine Antwort gegeben, und meine Antwort war eine Goldmedaille.“

Imane Khelif setzte sich im Finale gegen Yang Liu durch. © APA/afp / MAURO PIMENTEL



Wie groß ihre Freude und Erleichterung waren, hatte Khelif schon unmittelbar nach dem einstimmigen Punktsieg am Freitagabend auf dem Court Philippe Chatrier vor rund 15.000 Zuschauern gezeigt. In der Ringmitte führte sie wieder ihren Jubeltanz auf und wurde anschließend unter tosendem Jubel der zahlreichen algerischen Fans von einem Betreuer auf dessen Schultern getragen. Als sie kurz vor Mitternacht bei der Siegerehrung die Goldmedaille umgehängt bekam, rieb sie kurz daran und gab ihr dann einen Kuss.

Die algerische Boxerin freut sich über Gold. © APA/afp / MAURO PIMENTEL



Um Khelif und Lin Yu-ting (28) aus Taiwan, die heute Abend im Federgewicht gegen die Polin Julia Szeremeta um Gold boxt, gibt es eine heftig geführte Startrecht-Debatte. Diese bekam während Olympia auch eine gesellschaftspolitische Dimension. Beide Boxerinnen waren nach bislang nicht näher erklärten Geschlechter-Tests vom Verband IBA, der vom Internationalen Olympischen Komitee nicht mehr anerkannt wird, von der WM 2023 ausgeschlossen worden. Beide hätten laut IBA die erforderlichen Teilnahmekriterien nicht erfüllt und „im Vergleich zu anderen weiblichen Teilnehmern Wettbewerbsvorteile“ gehabt.

Warnung vor „Kulturkrieg“

Das IOC nannte es eine „willkürliche Entscheidung ohne ordnungsgemäßes Verfahren“ und ließ Khelif und Lin in Paris teilnehmen. Das im Pass angegebene Geschlecht sei für viele Sportarten maßgeblich für die Zulassung zu den Wettbewerben, lautete eine Begründung. Das IOC warnte vor einem „Kulturkrieg“. Der umstrittene russische IBA-Präsident Umar Kremlew kritisierte, mit der aktuellen Debatte werde der Sport „zerstört“.

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