
Einige HCB-Cracks werden sich für immer aus Bozen verabschieden. © Vanna Antonello
Wer bleibt, wer geht? So verändert sich der HC Bozen
Die Foxes sind am vergangenen Freitag im ICE-Halbfinale an Meister Salzburg gescheitert. Jetzt drängt sich die Frage auf: Was wird von diesem HC Bozen übrig bleiben? Die ersten Abschiede und Vertragsverlängerungen zeichnen sich ab.
02. April 2025

Von:
Alexander Foppa
Mit dem Einzug ins Halbfinale hat der HC Bozen das ausgerufene Saisonziel erreicht. Dennoch reifte selbst bei sporadischen Stadiongängern die Erkenntnis: Mit dieser Mannschaft wäre mehr drin gewesen. „Dem muss ich zustimmen“, sagt Dieter Knoll, Geschäftsführer und Sportdirektor in Personalunion beim HCB.
Und wer trägt im Sport die Verantwortung, wenn eine Mannschaft ihr Potenzial nicht ausschöpft? Klar, der Trainer! Glen Hanlon ist der erste Abgang. Der 68-Jährige will zu seiner Familie nach Kanada ziehen – womit er wohl einer Trennung von Vereinsseite zuvorkommt. Alle weiteren Personalfragen sind somit an Hanlons Nachfolger gekoppelt, auch die Zukunft von Assistenztrainer Fabio Armani.
Trainer Glen Hanlon wird Bozen verlassen. © det
Allerdings bietet jede Sommerpause reichlich Raum für Spekulationen. Und diese nehmen gerade um HCB-Goalie Sam Harvey wildeste Auswüchse. Ihm soll ein mehrjähriges Vertragsangebot eines ICE-Konkurrenten vorliegen, auch DEL-Vereine haben bereits angeklopft. Und was macht Bozen? SportNews hat bei Knoll nachgefragt: „Ich kann mir gut vorstellen, dass andere Klubs an ihn herantreten, Fakt ist aber auch, dass sich Harvey bei uns sehr wohl fühlt. Wir sind gerade in Gesprächen mit ihm.“
Harvey und Bourque sind umworben
Nicht nur Harvey hat im Ausland Interesse geweckt, auch seine Vorderleute Simon Bourque und Peter Spornberger. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich die Bozner um einen Verbleib des kanadischen Offensivverteidigers bemühen werden. Selbiges gilt für Spornberger, der laut deutschen Medienberichten in Augsburg im Gespräch sein soll. „Er ist einer der besten italienischen Verteidiger, auf ihn möchten wir unser neues Team aufbauen“, verrät Knoll, der aber hinterherschiebt: „Allerdings muss auch der Spieler bei uns bleiben wollen.“„Auf Spornberger möchten wir unser neues Team aufbauen“ HCB-Sportdirektor Dieter Knoll
Für Ersatzgoalie Gianluca Vallini und die Verteidiger Enrico Miglioranzi, Dylan Di Perna,Jason Seed zeichnet sich ein Verbleib in der Landeshauptstadt ab. Abwehrchef Scott Valentine soll auch in Zukunft das Team führen. Mit seinem Beraterteam stehen aber noch (zähe) Verhandlungen aus. Deren Ausgang: ungewiss! Rückkehrer Cole Hults, der die Erwartungen nicht erfüllen konnte, wird sich am Samstagnachmittag beim Fantreffen in der Eiswelle wohl definitiv aus Bozen verabschieden.
Hults und Bradley vor Abschied
Mindestens einen prominenten Abgang wird es auch im Angriff geben: Der letztjährige Star-Einkauf Matt Bradley hat in den Playoffs stark abgebaut und sich dadurch selbst die Argumente für eine Weiterbeschäftigung genommen. Sollte diese wider Erwarten dennoch zustande kommen, dann wird sie für Bradley deutlich weniger lukrativ sein als bisher. Auch Braden Christoffer und Topscorer Adam Helewka stehen vor dem Absprung, wenngleich sie die Foxes mit einem gut dotierten Arbeitspapier durchaus noch umstimmen könnten.Auch der Verbleib anderer Offensivkräfte hängt am seidenen Faden, speziell jener der enttäuschenden Italos Giordano Finoro und Nick Saracino. Bessere Karten hat Anthony Salinitri. Auch der im Saisonfinish starke Brad McClure und der nimmermüde Dustin Gazley könnten in Bozen noch mindestens eine Saison dranhängen. „Ich denke, ich habe noch ein paar gute Jahre vor mir“, sagte Gazley unlängst im SportNews-Interview.
Ob Mike Halmo nochmal zum Eishockeyschläger greift, ist fraglich. © HCB
Und was ist mit Mike Halmo? Die Tendenz bei ihm geht in Richtung Karriereende, wenngleich es durchaus Interessenten aus der Alps Hockey League gäbe. Und selbst HCB-Boss Knoll will den körperlich geschundenen Publikumsliebling noch nicht abschreiben: „Wir sind dabei, die Leistungen aller Spieler im Detail zu analysieren. Es geht darum, zu sehen, welchen Wert sie in Zukunft für den HC Bozen haben können. Das ist auch bei Halmo so.“
„Pascal Brunner wird nächstes Jahr eine wichtige Rolle spielen“ HCB-Sportdirektor Dieter Knoll
Unbestritten ist der Wert der heimischen Stammkräfte im Sturm, von Daniel Frank über Michele Marchetti bis hin zu Luca Frigo. „Und den Pascal Brunner nehm' ich auch dazu. Nächstes Jahr wird er eine gewichtige Rolle spielen“, prophezeit Knoll. Eine solche ist auch Daniel Mantenuto und Cristiano DiGiacinto vorbehalten, wenngleich hinter Letztgenanntem aufgrund dessen Status als Transferkartenspieler noch kein kleines Fragezeichen steht.
Nach diesem Spielerprofil wird gesucht
Fest steht: Beim HCB tritt schon bald eine Personalrochade in Kraft, der große Kaderumbruch wird aber ausbleiben. „Bei unserer Spielersuche ist die Champions-League-Qualifikation ein Verhandlungsplus. Wir werden uns vermehrt mit jungen, hungrigen Spielern verstärken. Jedenfalls sollen beide U23-Plätze im Kader besetzt werden. Zugleich suchen wir nach europaerfahrenen Routiniers, die wissen, wie man Titel gewinnt.“ Denn eines scheint gewiss: Im Halbfinale abgespeist zu werden, entspricht nicht den Ansprüchen des HC Bozen. Darüber tröstet selbst das Erreichen des Saisonziels nicht hinweg.Profil bearbeiten
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