
Bryce Misley (r.) und der HCB treffen am Sonntag auf Dante Hannouns (r.) Mailänder. © HCB/Bregolato, MHC/Martello
Bozen gegen Mailand: Italiens größte Eishockey-Rivalität
Es sind die beiden großen Eishockey-Metropolen in Italien: In Bozen und Mailand wurden in 100 Jahren mehr als 50 Titel bejubelt. Beide Städte verbindet aber nicht nur ein Meer an Erfolgen, sondern auch eine Rivalität, die immer wieder eskaliert. Am Sonntag kommt es erstmals seit langer Zeit zum Wiedersehen.
07. Oktober 2026

Von:
Alexander Foppa
Es war am 22. Dezember 2012, als sich Bozen und Mailand letztmals auf dem Eis gegenüberstanden, damals noch in der Serie A. Nun, fast 14 Jahre später, kommt es wieder zum Duell der früheren Eishockey-Großmächte. Am Sonntag empfängt der Milano HC den HC Bozen in der ICE Hockey League. Der Klassiker verspricht große Emotionen.
Seit Tagen ist die Fiera Ice Arena ausverkauft. Die 4.000 Tickets gingen binnen weniger Stunden über den Ladentisch. Nur zwei Tage nach der offiziellen Eröffnung gegen Innsbruck wird das neue Stadion-Provisorium im Norden der lombardischen Metropole erstmals auf Herz und Nieren geprüft – mit elektrisierender Stimmung, zum Bersten gefüllten Rängen und einem erhofften Spektakel auf dem Eis.
2 Städte, 51 Meistertitel
Wenn Mailand und Bozen gegeneinander antreten, ist großes Kino normalerweise garantiert, prallen doch die erfolgreichsten Eishockey-Standorte Italiens aufeinander. Hier die 3-Millionen-Einwohnerstadt, in der in den vergangenen 101 Jahren 32 Scudetti bejubelt wurden. Allein zwischen 1925 und 1960 eroberten der HC Milano und die Diavoli Rossoneri Milano zusammen 23 Titel, neun weitere heimsten die Folgevereine ein. Und dort der italienische Rekordmeister HC Bozen (19 Scudetti), dem auch noch zwei ICE-Titel zu Buche stehen.Treffen Bozen und Mailand aufeinander, kann es ruppig werden. Im Bild: Larry Rucchin (r.) foult HCB-Stürmer Igor Maslennikow (l.) im Jahr 1997. © Massimo Pattis
Über Jahrzehnte hinweg waren diese beiden Städte das Maß aller Dinge. So galt die Regel: Wer Meister werden will, muss erst mal Mailand und Bozen besiegen. Die Rivalität schaukelte sich so richtig hoch, als Silvio Berlusconi 1989 ins Eishockey einstieg und in den Folgejahren Unsummen an Geldern in sein Mediolanum-Sport-Imperium pumpte. Der Mailänder Konkurrenzverein Saima und auch der HC Bozen versuchten, Schritt zu halten. Die Folge? Beide Teams waren bespickt mit Stars aus der NHL, auf dem Eis wurde großer Sport zelebriert – und die Arenen förmlich überrannt. Bis zu 11.000 Fans strömten ins Forum in Mailand.
Harte Fights auf dem Eis, Krawalle abseits davon
Die Rivalität zwischen den beiden Eishockeystädten hielt auch an, als sich Berlusconi nach nur wenigen Jahren wieder aus dem Eishockey verabschiedete. Und diese Rivalität wurde sprichwörtlich gelebt. Über Jahre hinweg agierten auf beiden Seiten Spieler wie Mario Chitarroni oder Lucio Topatigh, die es bestens verstanden, die richtige Würze ins Spiel zu bringen. Die Folge? Überharte Duelle und legendäre Fights, wie etwa jener im Jahr 2006 zwischen Bozen-Rüpel Carlyle Lewis und Michele Strazzabosco.Allerdings gingen nicht nur auf dem Eis die Wogen hoch, auch auf den Rängen und rund um die beiden Eishockeyarenen wurden häufig Grenzen überschritten. Die Bozner Fans, die einst sogar eine Freundschaft zu den Saima-Anhängern pflegten, griffen Anfang der 90er-Jahre Fan-Busse von Devils-Anhängern an der Autobahnraststätte Laimburg an, Jahre später lieferten sie sich rund ums Mailänder Stadion mit der Polizei wilde Straßenschlachten. Umgekehrt sorgten lombardische Ultras bis in die 2000er-Jahre immer wieder für Krawalle bei Besuchen in der Eiswelle. Sachbeschädigungen, Verletzte, Festnahmen und Spiele unter Hochsicherheitsvorkehrungen waren die Folge.
Die Mailänder Fankurve beim jüngsten Auswärtsspiel am Sonntag in Salzburg.
Hitzig wird es auch am kommenden Sonntag, wenn sich rund 150 Bozner Fans unter die 4.000 Zuschauer in der Arena im Messegelände in der Mailänder Vorstadt Rho drängen werden. Für den Gästesektor sind nur mehr wenige Tickets verfügbar. Allerdings soll es diesmal friedlich bleiben.
Die Show wird in erster Linie auf dem Eis geboten, immerhin treffen dort zwei absolute Spitzenteams der Liga aufeinander. Kapitän Scott Valentine, und neben ihm fünf weitere frühere HCB-Cracks, wollen Tabellenführer Bozen eins auswischen – und zugleich für den nächsten denkwürdigen Eishockeyabend in diesem ewigen Klassiker sorgen.
| SP | G | U | V | TV | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. HCB Südtirol | 7 | 6 | 0 | 1 | 28:16 | 18 |
| 2. EC Klagenfurt | 8 | 5 | 0 | 3 | 32:23 | 15 |
| 3. Linz | 8 | 5 | 0 | 3 | 30:25 | 15 |
| 4. HC Mailand | 8 | 5 | 0 | 3 | 26:24 | 15 |
| 5. HC Pustertal | 6 | 5 | 0 | 1 | 22:14 | 14 |
| 6. Olimpija Ljubljana | 7 | 4 | 0 | 3 | 33:22 | 12 |
| 7. Vienna Capitals | 7 | 4 | 0 | 3 | 22:21 | 11 |
| 8. Graz99ers | 8 | 4 | 0 | 4 | 20:23 | 11 |
| 9. EC Villacher SV | 7 | 3 | 0 | 4 | 19:22 | 10 |
| 10. EC Salzburg | 8 | 3 | 0 | 5 | 24:30 | 10 |
| 11. Fehervar | 8 | 3 | 0 | 5 | 16:24 | 10 |
| 12. HC Innsbruck | 8 | 3 | 0 | 5 | 18:25 | 8 |
| 13. Ferencvarosi | 6 | 2 | 0 | 4 | 20:22 | 7 |
| 14. Vorarlberg | 8 | 0 | 0 | 8 | 16:35 | 0 |
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